Klassizismus
Der Klassizismus wandte sich erneut der Antike zu, allerdings mit größerer Strenge, Klarheit und moralischer Aufladung. Gegen die verspielte Leichtigkeit des Rokoko wurde ein ernsterer und geordneterer Stil gesetzt. Kunst wurde nun häufig mit Tugend, Maß und staatsbürgerlichem Ideal verbunden.
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Jacques Louis David – Schwur der Horatier
Zeitraum
Der Klassizismus begann etwa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und reichte bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Epoche stand in engem Zusammenhang mit Aufklärung, archäologischen Entdeckungen und politischen Umbrüchen. Besonders Frankreich und Italien wurden zu wichtigen Zentren klassizistischer Kunst.
Wichtigste Meilensteine
Die Wiederentdeckung antiker Vorbilder, die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum sowie die wachsende Bedeutung archäologischer Genauigkeit waren entscheidend. Es wurde eine klare, geordnete und auf Linie aufgebaute Formensprache bevorzugt. Historische Stoffe und moralisch aufgeladene Darstellungen gewannen stark an Bedeutung.
Prägende Künstler
Jacques Louis David wurde zum Hauptvertreter der klassizistischen Malerei. Antonio Canova prägte die Skulptur mit seiner antiken Orientierung und formalen Klarheit. In der Architektur wurde die Rückkehr zu Säulenordnungen, klaren Volumen und streng gegliederten Fassaden sichtbar.

Bekannte Schlüsselwerke
- David, Schwur der Horatier
Bekannt, weil das Werk zum Inbegriff klassizistischer Ordnung, moralischer Strenge und politischer Bildsprache geworden ist. - David, Der Tod des Marat
Bekannt, weil antikisierende Form und revolutionäre Gegenwart hier mit ungewöhnlicher Schärfe verbunden werden. - Canova, Amor und Psyche
Bekannt, weil sich an der Skulptur die glatte Idealform und die antike Ausrichtung des Klassizismus besonders anschaulich zeigen.
Kennerperlen
- Ingres, Valpinçon Badende
Eine Kennerperle, weil hier klassizistische Linie und sinnliche Körperauffassung in sehr feiner Balance stehen. - Kauffman, Cornelia, Mutter der Gracchen
Eine Kennerperle, weil das moralische Erziehungsprogramm des Klassizismus in weiblich geprägter Tugendikonografie sichtbar wird. - Canova, Pauline Borghese als Venus Victrix
Eine Kennerperle, weil antike Form, Porträt und zeitgenössische Repräsentation überraschend eng verbunden werden.
Typische Materialien und Mittel
Öl auf Leinwand wurde bevorzugt, weil damit historische und moralische Stoffe in klarer, glatter und kontrollierter Weise ausgearbeitet werden konnten. Marmor war für die Skulptur ideal, weil die Rückbindung an antike Vorbilder bewusst gesucht wurde. In der Architektur dominierten Stein, Stuck und streng gegliederte Bauformen, weil Wahrheit, Maß und Ordnung als Leitwerte galten.
Wirkung auf die Zeit
Der Klassizismus stand in enger Verbindung mit Aufklärung, politischem Denken und republikanischen Tugendvorstellungen. Kunst wurde zu einem Mittel der Erziehung, Disziplin und historischen Vorbildsetzung. Dadurch erhielt sie eine stärker moralische und staatspolitische Funktion als in der höfischen Welt des Rokoko.
Zusammenfassung
| Wesentliche Merkmale | Materialien und Mittel | Bekannte Künstler | Bekannte Kunstwerke |
| Orientierung an der Antike | Öl auf Leinwand | Jacques Louis David | Jacques Louis David: Der Schwur der Horatier |
| Klare Linien und ruhige Bildordnung | Zeichnung | Antonio Canova | Antonio Canova: Amor und Psyche |
| Strenge Kompositionen | Marmor | Jean Auguste Dominique Ingres | Jean Auguste Dominique Ingres: Die große Odaliske |
| Moral, Pflicht, Vernunft und Heldentum | Bronze | Angelika Kauffmann | Angelika Kauffmann: Cornelia, Mutter der Gracchen |
| Weniger verspielt als Rokoko | Klare Konturen | Bertel Thorvaldsen | Bertel Thorvaldsen: Jason mit dem goldenen Vlies |
| Häufig historische, mythologische oder politische Themen | Antike Körperideale | ||
| Symmetrische Komposition |































