Expressionismus
Der Expressionismus stellte nicht die äußere Erscheinung, sondern das innere Erleben in den Mittelpunkt. Formen wurden vereinfacht, verzerrt oder gesteigert, Farben bewusst gegenständlich gelöst eingesetzt. Die Kunst sollte nicht wiedergeben, sondern seelische Erregung und subjektive Spannung sichtbar machen.
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Edvard Munch – Der Schrei
Zeitraum
Der Expressionismus entfaltete sich vor allem in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Wichtige Zentren lagen im deutschsprachigen Raum, insbesondere in Dresden, Berlin und München. Die Epoche war von kultureller Unruhe, gesellschaftlichen Spannungen und dem Wunsch nach künstlerischer Erneuerung geprägt.
Wichtigste Meilensteine
Mit Gruppen wie Die Brücke und Der Blaue Reiter wurden neue Wege jenseits von Naturalismus und Impressionismus beschritten. Die Farbe wurde eigenständig eingesetzt, die Form vereinfacht und die Darstellung oft bewusst gesteigert. Kunst wurde dadurch stärker zum Ausdruck innerer Zustände und geistiger Haltung.
Prägende Künstler
Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Franz Marc und Wassily Kandinsky zählen zu den wichtigsten Namen des Expressionismus. Ihre Werke unterschieden sich zwar deutlich, waren jedoch durch die Suche nach gesteigertem Ausdruck verbunden. Innerhalb der Epoche entstanden sowohl gegenständliche als auch zunehmend abstrakte Formen.



Bekannte Schlüsselwerke
- Munch, Der Schrei
Bekannt, weil das Motiv zu einer der stärksten Bildformeln moderner Angst und existenzieller Erregung geworden ist. - Kirchner, Straße, Berlin
Bekannt, weil städtische Nervosität, Farbsteigerung und Figurenverzerrung hier beispielhaft auftreten. - Franz Marc, Blaues Pferd I
Bekannt, weil Farbe, Tiermotiv und geistige Aufladung in der öffentlichen Wahrnehmung besonders präsent geblieben sind.
Kennerperlen
- Nolde, Das letzte Abendmahl
Eine Kennerperle, weil religiöse Tradition und expressionistische Farbgewalt ungewöhnlich direkt aufeinander treffen. - Heckel, Fränzi liegend
Eine Kennerperle, weil Figurenbild, Holzschnittdenken und malerische Vereinfachung eng zusammengehen. - Kandinsky, Improvisationen
Eine Kennerperle, weil hier der Weg aus dem expressionistischen Ausdruck hin zur Abstraktion besonders gut erkennbar wird.
Typische Materialien und Mittel
Ölmalerei wurde wegen ihrer Farbintensität und pastosen Wirkung stark genutzt. Besonders wichtig war jedoch der Holzschnitt, weil seine grobe, kantige Struktur der expressionistischen Formabsicht sehr entgegenkam. Lithografie und Radierung wurden ebenfalls breit eingesetzt, weil Druckgrafik Bilder und Ideen schneller verbreiten konnte und zugleich eine scharfe, unmittelbare Wirkung besaß.
Wirkung auf die Zeit
Der Expressionismus wirkte als Gegenbewegung zu bürgerlicher Erstarrung und bloßer Außenwiedergabe. Innere Unruhe, Krisenerfahrung und seelische Verdichtung wurden sichtbar gemacht. Damit wurde Kunst zu einem Mittel intensiver subjektiver Aussage und geistiger Erschütterung.
Zusammenfassung
| Wesentliche Merkmale | Materialien und Mittel | Bekannte Künstler | Bekannte Kunstwerke |
| Starke Gefühle stehen im Mittelpunkt | Öl auf Leinwand | Ernst Ludwig Kirchner | Ernst Ludwig Kirchner: Straßenszene Berlin |
| Farben wirken oft kräftig, unnatürlich und spannungsvoll | Holzschnitt | Wassily Kandinsky | Wassily Kandinsky: Komposition VII |
| Formen sind vereinfacht, verzerrt oder kantig | Zeichnung | Franz Marc | Franz Marc: Die großen blauen Pferde |
| Die Wirklichkeit wird nicht naturgetreu gezeigt, sondern innerlich erlebt | Druckgrafik | Emil Nolde | Emil Nolde: Das letzte Abendmahl |
| Häufige Themen sind Angst, Großstadt, Natur, Einsamkeit, Krieg, soziale Not | Aquarell | Edvard Munch | Edvard Munch: Der Schrei |
| Der Pinselstrich wirkt oft sichtbar, direkt und energisch | Starke Farbkontraste | Käthe Kollwitz | Käthe Kollwitz: Nie wieder Krieg |
| Harte Linien und vereinfachte Formen |
































