Bildanalyse

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Was ist eine Bildanalyse?

Eine Bildanalyse beschreibt ein Bild sowohl optisch/ visuell (vom Aussehen) als auch inhaltlich bzw. vom Informationsgehalt her.


Wozu eine Bildanalyse?

Anhand der Bildanalyse soll theoretisch ein blinder Mensch sich das Bild vorstellen können (diese Aussage beschreibt inetwa die Genauigkeit der Analysebeschreibung).

Sinn und Ziel einer Bildanalyse?

Führt man öfters eine Bildanalyse durch, lernt man die wichtigsten Merkmale, die ein Bild ausmachen, besser zu deuten und nimmt ein Bild nicht nur so hin wie es ist. Man erkennt besser Dynamik und Wirkung eines Bildes und lernt ggf. besser die Bedeutung, die der Künstler ausdrücken wollte, zu sehen.

Wenn man Bilder z.B. für Webseiten, Plakate oder Flyer verwendet, wird man diese bedachter und inhaltlich sowie optisch passender auswählen.

Um es kurz zu sagen:
Man wird sich die wesentlichen Bildmerkmale und der Art und Weise wie ein Bild wirkt, deutlicher bewusst.

Wie funktioniert eine Bildanalyse?

Bei der Analysebeschreibung geht man nach einem geordnetem Muster vor.

Man beschreibt das Bild auf verschiedene Art und Weisen. Insgesamt sind die Gestaltungsgesetze das wichtigste Kriterium anhand dessen man Bilder beschreibt.
Aus diesem Grunde fällt die Beschreibung von Landschaftsbildern beispielsweise anders aus als die von Portraits.

Es muss auch nicht jedes Gestaltungsgesetz berücksichtigt werden. Wenn gewisse Merkmale im Bild nicht erkennbar sind kann man allenfalls die Wirkung, dass dieses Merkmal fehlt berücksichtigen (sofern dies überhaupt zum tragen kommt).


Das Semiotische Modell

  • Syntaktik (Form des Bildes)
  • Semantik (Deutung der Einzelzeichen)
  • Pragmatik (Bildinterpretation)

1. Vorstellung des Bildes

(mit den wichtigsten verfügbaren Infos)
  • Titel des Bildes
  • Name und wichtigste Daten des Künstlers
  • Datum der Enstehung/ Epoche
  • Größe und Material/ Umsetzungsart
  • Wo befindet sich das Bild nun?
  • Was stellt das Bild offensichtlich dar (Motiv)?

2. Syntaktik

(optische Beschreibung des Bildes)
  • Motiv (was abgebildet ist)
  • Farbe
  • Kontraste
  • Material
  • Technik
  • Licht/ Schatten (Plastizität)
  • Räumlichkeit/ Perspektive
  • Komposition
  • weitere Merkmale der Gestaltungsgesetze

3. Semantik

(Bedeutung des Bildes)
  • Was sieht man und wie deutet man das Gesehene?

4. Pragmatik

(Wozu verleitet einen das Bild)
  • Absicht des Künstlers/ Funktion
  • Wirkung
  • Ist der Titel des Bildes für den Betrachter nachvollziehbar?

Anwendungsbeispiel

Wenn ein Engel einen Teufel küsst - Bildanalyse

1. Vorstellung des Bildes

- Titel des Bildes
"Wenn ein Engel einen Teufel küsst"

- Name und wichtigste Daten des Künstlers
Stefanie Panitz (Nightmage),
geboren am 16.07.1982 in Nagold

- Datum der Enstehung/ Epoche
Januar 2009

- Größe und Material/ Umsetzungsart
DIN A4 Querformat
Tusche, Touch Marker, Markerpapier
Bleistiftskizze, Konturen nach gezogen, coloriert & schattiert, Hintergrund am PC (Adobe Photoshop) erstellt

- Wo befindet sich das Bild nun?
Beim Künstler

- Was stellt das Bild offensichtlich dar (Motiv)?
Einen Engel und einen Teufel, die sich küssen.

2. Syntaktik

Zu sehen sind ein roter Teufel rechts und ein lila gekleideter Engel links. Beide küssen sich. Das Bild liegt in totaler Schärfe (alle Elemente des Bildes sind gleich wichtig). Der Hintergrund ist in 2 verschiedenen Rottönen geteilt. Der dunkle Rotton ist auf der Seite des Engels, der helle Rotton auf der Seite des Teufels. Beide Rottöne treffen sich mittig hinter dem Paar.

Zusammen mit dem Paar im Vordergrund und dem Hintergrund selbst, ist sowohl ein Hell-Dunkel-Kontrast als auch ein Ton in Ton Farbkontrast entstanden. Durch diese Trennung ist die Figur-Grund-Beziehung (also der Kontrast von Vordergrund zu Hintergrund) sehr deutlich.

Das Bild selbst ist mit verschiedenen Materialien und Techniken erstellt worden. Zum einen sind die Konturen der Figuren im Vordergrund mit schwarzer Tusche nach gezogen, zum anderen wurden die Figuren selbst mit Touch Twin Markern in verschiedenen Farbtönen coloriert.

Ebenso die Schattierung ist mit Markern erstellt worden. Damit die Markerfarbe ansich besser zur Geltung kommt, wurde auf speziellem Markerpapier gearbeitet. Lichtreflexe wurden mit einem weißen Gelstift und weitere Schattierungen mit farbigen Gelstiften hinzugefügt. Der Hintergrund wurde am PC mit dem Programm Adobe Photoshop erstellt. Ebenso die Verzierung des Hintergrundes wurden mit so genannten Brushes in Photoshop hinzugefügt.

Schattierungen befinden sich lediglich auf den beiden Personen im Vordergrund. Es ist keine eindeutige Beleuchtung erkennbar, tendenziell, ausgehend von der Platzierung der Schatten, kommt das Licht allerdings von oben.

Lichtreflexe sind ebenso oberhalb des Schmuckes beider Personen bzw. auf den Haaren des Engels gesetzt worden. Dennoch wirken die Personen wenig plastisch, da eine Hintergrundschattierung nicht vorhanden ist und die Konturen die Figuren zu sehr abschließen. Räumlichkeit ist daher in diesem Bild nicht gegeben. Das Hauptaugenmerk liegt so zusehens auf den beiden Figuren im Vordergrund.

Es ist eine recht normale Perspektive (Frontalansicht) gewählt worden, die das Wesentliche (Oberkörper bis kurz über die Knie) der Figuren sehen lässt. Außer den beiden Figuren im Vordergrund sind keine weiteren Objekte oder Figuren auf dem Bild vorhanden.

Die Figuren sind mittig des Bildes, nehmen also fast den gesamten Platz des DIN A4 Querformates ein. Dennoch ist das Bild nicht in der exakten, sondern der optischen Mitte quergeteilt. Die Seite des Engels nimmt, auch aufgrund der bläulichen Flügel, ein wenig mehr als die Hälfte des Bildes ein.

3. Semantik

Das Motiv ist sehr eindeutig, es lässt lediglich Interpretationen mythologischer bzw. religiöser Natur zu.

4. Pragmatik

Der Künstler wollte die Gegensätze von Gut und Böse darstellen und diese in eine romantische, leicht erotische Situation setzen.
Da der Titel beschreibt, was zu sehen ist, ist dieser sehr eindeutig gewählt.